Road to Marato Barcelona #59 – Zurich Marato de Barcelona 2016

Ahoi Sportsfreunde,

endlich war es soweit.

Am Donnerstag ging es mit Family im Schlepptau nach Barcelona. Endlich Sonne, endlich Wärme und endlich Marathon. Freitag Morgen ging es direkt nach dem Frühstück mit der Metro zum Placa d’Espanya um auf der Marathonmesse die Startunterlagen abzuholen.

Die Marathonmesse selbst ist der absolute Wahnsinn. Hier zündet Barcelona ein gigantisches Feuerwerk und es gibt alles, was das Läuferherz begehrt (inklusive kostenloser Fotobox und und und). Da ich überhaupt nicht wusste, was ich vor dem Start frühstücken soll, habe ich mich auf der Messe mit verschiedensten Riegeln eingedeckt. Laufschuhe habe ich auch gekauft, aber natürlich nicht für den folgenden Start.

Mit Startnummer im Gepäck ging es dann zurück ins Hotel um den Starterbeutel zu durchforsten. Der Inhalt ist relativ überschaubar und unspektakulär. Neben einem Gutscheinheft und ein paar Werbeflyer gab es aber auch ein sehr schönes Marathon Barcelona-Funktionsshirt von Asics.

Sonntag Morgen klingelte dann um halb 6 der Wecker. Entgegen einiger Erfahrungsberichte, die ich mir vorher durchgelesen hatte, konnte ich überraschend gut schlafen. Nach einer kurzen Morgendusche gab es dann ein königliches Frühstück, bestehend aus zwei Müsliriegeln, zwei Bananen und einem Espresso. Um 7 Uhr war dann Aufbruchstimmung und meine Frau und ich haben uns auf den Weg zum Start gemacht.

Nach dem Warmmachen habe ich mich kurz vor halb 8 in meinen Startblock begeben und zusammen mit weiteren knapp 20.500 Teilnehmern auf den Startschuss gewartet. Die einzelnen Teilnehmerblöcke starten in kurzem Abstand nacheinander und jeder Block bekommt den gleichen emotionalen Start mit Freddie Mercury’s „Barcelona“ und Konfettiregen.

13 Minuten nach den Eliteläufern ist mein Startblock mit der Nummer 4 auf die Strecke gegangen.

Zu Beginn habe ich ganz gewissenhaft versucht mein Tempo zu finden und nicht wie ein Verrückter los zu sprinten. Kurzer Blick auf die Uhr, alles klar, erster Kilometer ist geschafft. Der Blick ging wieder hoch und dann zurück. „Gibt es hier keine Kilometerschilder?“

Doch, gibt es. 20 Meter weiter stand das gute Stück. Eins vorweg, der Unterschied zwischen meiner GPS-Uhr und der vermessenen Angabe des Marathon wurde von Kilometer zu Kilometer größer. Viele Läufer hatten ihre Uhr so eingestellt, dass nach jedem Kilometer ein Signal ertönt ist, daran konnte ich erkennen, dass nicht nur ich von diesem Phänomen betroffen war.

Kilometer 2 und 3 vergingen ebenfalls wie im Flug. Bei Kilometer 5 sollte dann die erste Verpflegungsstelle sein, eigentlich. Der Spanier ist da flexibel, bei Kilometer 6 gab es dann Getränke. Kurz nach der Verpflegungsstelle dann das erste Streckenhighlight. Das Teilnehmerfeld umkurvt das knapp 100.000 Zuschauer fassende Camp Nou, das Stadion des FC Barcelona. Hier konnte man auch die geschlechterspezifischen Unterschiede erkennen. Die Blicke der Damen gingen in Richtung Pulsuhr, die der Männer klebten an dem Fußballtempel.

Nun ging es das erste Mal bergauf, bevor es dann auf die Diagonal, eine der längsten Straßen Barcelonas ging.

Die nächsten Kilometer vergingen wie im Flug, ich hatte einen guten Rhythmus, konnte die anderen Läufer beobachten und ab und zu wurde mit Kindern abgeklatscht. Kurz vor Kilometer 12 wurde dann die Brust rausgestreckt und ein entspanntes Lächeln aufgesetzt, immerhin sollten hier irgendwo meine Familie stehen. 500 Meter weiter war meine Truppe dann auch zu sehen uns zu hören. Ein kurzes „alles gut“ und Daumen hoch und weiter im Programm.

Der nächste Streckenpunkt war der Passeig de Gracia, Barcelonas Flaniermeile der Reichen und Schönen. Ich war schon einige Male in der katalanischen Metropole, aber bisher ist mir nie aufgefallen, dass es die Straße an der die Casa Battlo und die Casa Mila liegen bergauf geht. Beide Bauwerke werden passiert, bevor es zu Gaudis drittem Bauwerk auf der Strecke geht. Kurz nach Kilometer 16 taucht die unvollendete Sagrada Familia auf der linken Straßenseite auf. Bei Kilometer 18 hörte ich dann wieder meine Familie, bevor uns Läufern erneut Höhenmeter spendiert wurden. Die Straße mit dem Namen Merdiana führt 2 Kilometer bergauf, bevor es dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder bergab ging. Die Halbmarathonmarke wurde überquert und ich fühlte mich weiterhin richtig gut. Einen Kilometer später stand wieder meine Family an der Seite und meine Frau lief, natürlich hinter der Absperrung, einige Meter neben mir her.

Es folgten zwei Kilometer vorbei an einem Stadttunnel und entsprechend dezent war der visuelle Genuss. Bei Kilometer 25 musste ich kurz an meinen spanischen Bloggerkollegen Pitu denken, der an diesem Punkt im letzten Jahr große Probleme hatte (dieses Jahr übrigens nach 3 Stunden 10 ins Ziel gekommen), mir ging es weiterhin richtig gut und ich konnte mein Tempo nochmal ein bisschen anziehen. Es ging die Rambla Prim runter und kurz vor dem 26 Kilometer-Schild kam ein Schatten von Links angerauscht. Bevor ich reagieren konnte fuhr mir eine ältere Dame mit Kinderwagen in die Seite und hat mich ganz unglücklich an der Wade getroffen. Einen Sturz konnte ich gerade so abfangen, aber meine Wade hat direkt zugemacht. Ein paar Meter bin ich an der Seite lang gehumpelt, bevor ich wieder versucht habe mein Tempo aufzunehmen. Leider blieb es bei einem Versuch, denn die Wade hat gleich wieder zugemacht. Den nächsten Kilometer habe ich immer wieder versucht die Wade in gang zu bekommen, aber die Probleme haben nicht aufgehört. Zum ersten Mal dachte ich, dass es das jetzt war. Noch 15 Kilometer und ich bin mehr gehumpelt als gelaufen. Bei Kilometer 28 sollte eigentlich wieder meine Familie stehen und für mich war klar, dass ich dann auch aussteigen würde. Humpelt ging es vorbei an der 28 aber nirgendwo war ein vertrautes Gesicht zu sehen. An der Seite stand ein älteres spanisches Ehepaar und rief mir aufmunternd zu. „Vamos José. Venga! Venga!“

Kurz bin ich die Möglichkeiten durchgegangen. Kein Handy, kein Metroticket, keine Familie und noch 14 Kilometer bis ins Ziel. Mein Blick ging wieder zu den beiden Spaniern.

„Venga! Venga!“

Ich fing also wieder an zu laufen, nicht wirklich rund, aber irgendwie musste es weitergehen. Ich kämpfte mich an den Kilometern 30, 31 und 32 vorbei und bei Kilometer 33 ging es dann in Richtung Strand. Immer wieder musste ich gehen, weil meine Wade nicht mitspielen wollte. Bei Kilometer 35 war es wieder besonders schlimm und erneut bin ich als Humpelstilzchen über die Strecke marschiert. Von weitem war der Arc de Triomf zu sehen und ich wusste, dahinter ist mein Hotel. Dieses Mal war es einfach zu sagen „ich bin raus“ Aber kurz vor Kilometer 36 aussteigen? Nur noch 6 bis ins Ziel. An der Seite standen wieder kleine Kinder und wollten abklatschen. Die Blöße humpelnd/gehend abzuklatschen wollte ich mir nicht geben, also wieder in den Laufschritt. Überraschenderweise ging es wieder besser und ich wusste bei 37,5 steht wieder meine Familie und dann geht es auch bergab. Ich wurde wieder schneller und passierte den Placa Catalunya, links sah ich meine Besten und endlich ging es geschmeidiger. Meine Zeit war eh dahin und ich wollte jetzt einfach nur ins Ziel kommen. Es ging vorbei an der Kathedrale und runter in Richtung Hafen. Vorbei am Hafen ging es unter den Rufen von Zuschauern in Richtung Columbus-Statue. Noch 3 Kilometer bis ins Ziel und meine Wade war wieder auf der Höhe des Geschehens. Die letzten 2,5 Kilometer ging es wieder bergauf. In der Ferne war schon der Placa d’Espanya zu sehen und das Ziel entfesselte die letzten Energiereserven.

Bei Kilometer 42 hörte ich wieder vertraute Stimmen, bevor es durch die venezianischen Türme auf die Zielgerade ging. Knappe 45 Minuten hatte ich unterwegs liegen gelassen, als ich nach 04:55:54 die Ziellinie überquert habe. Als mir eine junge Dame aus dem Helferteam die Medaille umgehängt hat, war mir die Zeit mehr als egal und ich war einfach nur happy.

Im Ziel gab es neben Poncho dann noch Getränke, Bananen, Orangen und Nüsse und dann ging es endlich ins Hotel. Abends stand dann ein Besuch im Hard Rock Cafe an und es gab Burger und Bier, die Welt war also in Ordnung. 🙂

Trotz der Umstände war der Marathon in Barcelona einfach nur der Hammer und ich kann dieses Event jedem wärmstens empfehlen. Die Atmosphäre ist unglaublich, die Zuschauer geben alles und auch die Organisation ist super. Verpflegung gibt es alle 2,5 Kilometer (spanische Kilometer) und die Helfer sind unglaublich engagiert. Ein Helfer ist z.B. der späteren Siegerin hinterher gesprintet um ihr ein Getränkt zu reichen, weil die gute Dame ihres hat fallenlassen.

Zu meiner großen Überraschung hatte ich am Tag nach dem Marathon keinen Muskelkater, laut Pulsuhr war mein Marathon angeblich 43,1 Kilometer lang. Weitere Bilder von dem Event kommen in den kommenden Tagen, mein Fotograf/Schwiegervater war fleißig.

Ich bin jetzt erst mal in meinem Sabatical, tolles Wort. 😉

Mein nächster Lauf ist am 17.04. der Benefizlauf in Königstein (5 Kilometer). Es folgen dann im Mai der Schluchsee-Lauf (18 Kilometer) und der Halbmarathon in Mainz.

In diesem Sinne

„wir sehen uns in der Zukunft“

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19 Kommentare zu „Road to Marato Barcelona #59 – Zurich Marato de Barcelona 2016

  1. Tolle Erzählung, tolle Geschichte, tolle Leistung!!!
    Das mit dem Kinderwagen ist echt krass. Keine Ahnung, was ich gemacht hätte. Naja, ist vielleicht ist Weiterlaufen echt das Beste. Sonst verliert man ja noch mehr Energie.
    Und beim nächsten Mal läuft alles noch viel besser 🙂

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  2. Wie kommt es, dass die „Zürich“ den Marathon in Barcelona sponsored?
    Gibt es in dieser reichen Stadt keinen katalanischen Sponsor? 😉

    Die 5 km in Königstein würde ich ja noch schaffen.
    Aber Mainz wäre mir doch schon zu viel… 😉

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      1. ist ja witzig – vielleicht haben sie besonders viele Kunden in Spanien, denn irgendwie müssen sie ja profitieren von ihrem Sponsoring… 😉 oder sie wollen den Kundenstamm ausbauen 😀

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